ES GIBT NICHTS ZU BEREUEN – die innere Reise von Sarine

35342337586_09c1ba7f9a_zDer Neumondzyklus, in dem das Thema „Aus der Vollkommenheit schöpfen“ im Fokus stand, geht dem Ende zu. Etwas Neues wird kommen. Ein anderes Thema wird in den Vordergrundrücken, aber aus der Vollkommenheit zu schöpfen ist ein grundsätzliches Lebensthema. Es wird nicht aufhören und es ist eigentlich schon immer da gewesen. Das ist für mich ein Schlüsselsatz, die wiederkehrende Erkenntnis der vergangenen Wochen: Es ist alles schon da.

Ich habe in den letzten Tagen oft daran gedacht, dass ich noch immer keinen Beitrag zum
Monatsthema eingereicht habe (jeder von uns Hausmitbewohnern wollte ja etwas dazu
veröffentlichen). Das hat mich beunruhigt, denn das hier ist doch genau mein Ding!? Heute bin ich wieder früh aufgewacht obwohl ich alle Morgenmeditationen überspringen und stattdessen endlich mal ausschlafen wollte. Plötzlich fiel mir – scheinbar aus dem Nichts – der Text ein, den ich an meinem ersten Tag in Amritabha geschrieben habe. Ohne bestimmte Absicht, ich musste mir einfach nur von der Seele schreiben, was da mit mir passierte. Und siehe da: es ist wirklich alles schon da.

IMG_6431Es sind inzwischen sechs Wochen vergangen und beim Lesen des Textes zeigt sich, dass das, was ich jetzt zu erkennen glaube, was mich das Innere Kind-Seminar gelehrt hat, das, was ich immer mehr als meine Wahrheit erkenne, auch schon an meinem ersten Tag hier präsent gewesen ist:
„Vor kurzem sah ich ein Interview mit Agni, in dem er davon sprach, dass die Menschen so auf ihre Probleme und Fehler fixiert seien. Er sagte, dass es aber gar keine Probleme geben würde, wenn wir uns stattdessen auf unser Potential konzentrierten.

Das hat bei mir eine Saite angeschlagen, denn ich mache das ja auch – mich ständig so selber unter die Lupe nehmen und begutachten, was ich alles falsch mache, wo ich Baustellen habe, was ich noch verbessern MUSS, dass es niemals genug ist. Da dachte ich daran, was mir beim Durchsehen meiner alten Blogartikel auffiel: dass ich das Landleben, von dem ich dachte, ich hätte davon geträumt und es aufgegeben, bevor ich es richtig gelebt habe, eben doch sehr wohl gelebt habe! Und dass ich ja auch Bücher geschrieben und veröffentlicht habe, dabei leide ich ja ab und zu darunter, dass aus mir keine Autorin geworden ist.

Plötzlich kam mir dieser Gedanke: Was, wenn ich am Ende meines Lebens zurück schaue, und nicht erkenne, was ich alles zu bereuen habe, was ich falsch gemacht habe oder hätte anders machen sollen – sondern dass ich sehe, dass es eben eigentlich gar nichts zu bereuen gibt, dass ich gar nichts falsch gemacht habe, sondern immer auf meinem Weg gewesen bin!? Was, wenn das Einzige, was ich bereuen würde, die Tatsache wäre, dass ich mein Leben lang so viel Aufmerksam auf diesen inneren Monolog verwendet habe. Auf die Stimme, die mir einredet, dass es eben nicht genug ist. Dass ich eigentlich etwas anderes tun sollte, als das, was ich gerade tue, dass ich eine andere sein sollte, als die, die ich bin.

20216417_10155510849120126_1204167913_oDiese Einsicht, dass ich tatsächlich nichts zu bereuen habe, außer meine Geringschätzung mir selbst gegenüber, hat mich dann mit einer Wucht überwältigt, dass ich erstmal eine Weile heulen musste. Und dann habe ich angefangen ein Lied zu schreiben.
Was für ein Geschenk! Es ist doch schön, erkennen zu dürfen, was sich tatsächlich an meinem Leben ändern muss: meine Haltung mir selbst gegenüber, nicht meine Handlungen. Und das eben nicht erst auf dem Sterbebett, sondern jetzt mit 34. Es machte mir deutlich, was es wirklich bedeutet, im Hier und Jetzt zu sein und ein erfülltes Leben zu leben. Das hier ist es eben. Dieser Augenblick.

Vom Energieaufwand ist es eigentlich ein sehr kleiner Unterschied, ob ich
davon träume, ein Buch zu schreiben (oder ein Lied) oder ob ich es tue. Aber für die Erinnerung macht es sehr wohl einen Unterschied. In dem Moment habe ich mich entschlossen, mir all das zu gönnen, was mir Freude macht und es mir nicht nur vorzunehmen und dann zu verschieben, sondern zuzusehen, dass ich so oft
wie möglich so viel wie möglich von dem tue, was mir Spaß macht. Ich möchte mich nicht mehr durch meine Gedanken und Ansprüche entmutigen lassen und das Projekt mittendrin aufgeben, „weil es ja sowieso niemanden interessiert“ oder „weil Tausend andere es besser machen“.

Vielleicht gehöre ich nicht zu denen, die sich so total in eine Sache reinstürzen und mit Haut und Haar darin aufgehen. Vielleicht kommt das ja noch, vielleicht habe ich noch zu viel Schiss davor mich so sehr einer Sache hinzugeben, ich glaube, ich habe schon Angst, mich zu verlieren. Vielleicht ist es ja eine kleine Hürde, jeden Tag von allem ein bisschen zu machen. Vielleicht ändert es sich dann ja. Aber die Hauptsache ist: TUN, nicht danach fragen warum, oder nach Rechtfertigungen suchen, sondern einfach tun, was mir Freude macht, aus keinem anderen Grund. Dann habe ich auch nichts zu bereuen.

Und wie gesagt: trotz all meiner hohen Ansprüche habe ich ja immer das getan, was ich wollte – ich war nur oft nachlässig damit zuzusehen, dass ich es aus und mit Freude tue.

An diesem Abend war Darshan, bzw. man konnte zwischen MaRas Segen und Agnis Darshan wählen. Mir kam der Gedanke, „Geh dahin, wo die Angst ist“. Also ging ich zu Agni. Ich hatte ja schon vorher viele Gedanken, so von wegen, „Was, wenn ich total blockiere, was, wenn ich mich nicht öffnen kann und dann gar nichts spüre!?“. Ich versuchte mich trotzdem darauf einzulassen. Als ich dann vor Agni kniete, schlug mein Herz ganz wild und die Angst war wieder da und ich spürte, dass es die Angst vor mir selber war, die Angst vor meiner eigenen Größe.

20205913_10155510848160126_1709370320_o

Als ich mich wieder an meinen Platz setzte, tauchte plötzlich die Frage in mir auf, „Kannst du dir verzeihen, dass du Angst vor dir und deiner Größe hast?“. Da brach dann der Damm und die Tränen strömten, ich verließ den Raum, machte mir einen Tee und saß eine Weile mit mir allein in der Küche. Mir kamen immer wieder die Tränen hoch, als ich spürte, dass es nicht meine Angst ist, die das Problem darstellt, sondern meine Härte mir selbst gegenüber. Jedes Mal, wenn die Frage nämlich wieder kam – Kannst du dir verzeihen,
dass du Angst hast? – kam wieder ein Schwall Tränen. Eine andere Antwort fiel mir nicht ein.

Ich fühlte mich hilflos, denn ich konnte weder bestimmen, ob das jetzt ein „Ja, ich verzeihe mir“ war oder ein „Nein, das kann ich nicht“. Ich nehme es einfach mal als den innigen Wunsch, mir selber zu verzeihen – und das Bewusstwerden, zum einen dieser Härte, die mir so nicht klar war, aber auch das Bewusstwerden des Wunsches. Vielleicht ist das Heulen schon der Heilungsprozess und ich merke, dass er abgeschlossen ist, wenn mich die Frage nicht mehr zum Heulen bringt, sondern ich sie einfach ganz klar beantworten kann: das habe ich mir schon verziehen. 

Denn dahin führen mich alle meiner Wege zurück: es sind nicht meine Schwächen, Fehler, Missgeschicke, Versagen, die das Problem sind. Es ist der Glaube, dass ich ohne sie leben könnte und müsste, dieser Kampf gegen mich selbst. Den kann ich nie gewinnen und er wird mich schlimmstenfalls dazu bringen, am Ende meines Lebens voller Reue zurückzublicken, weil ich nur meine Fehler und Schwächen sehen kann. Im besten Fall wird er mich dazu bringen, dass ich auf mein Leben zurückblicke und feststelle, dass ich nichts hätte bereuen müssen, dass alles gut und richtig war, dass ich es mir nur nie gestattet habe, das so zu sehen. Ich möchte schon jetzt in dem Bewusstsein leben, dass alles gut und richtig so ist, wie es ist. Denn ich lebe mein Leben ja nicht, um irgendwann darauf zurückzublicken und es auswerten zu können. Wenn das Ziel der Sinn wäre, könnte ich ja schon längst aufhören. Ich möchte viel mehr in dem Bewusstsein leben, dass ich für diesen Augenblick lebe. Ich möchte jeden Augenblick so gestalten, dass er mir die größtmögliche Freude bringt. Auf so ein Leben werde ich gerne auch zurück blicken. Irgendwann mal.“

Wenn ich auf die vergangenen sechs Wochen in Amritabha zurückblicke, dann sehe und spüre ich viel Freude. Ich weiß ja nicht, wie dieser Sommer verliefe, wenn ich ihn woanders verbringen würde. Fest steht, dass Amritabha ist wirklich guter Ort ist, um aus der Vollkommenheit zu schöpfen. Ich mache mir so viel Freude – und lasse mir Freude schenken – wie schon lange nicht mehr. Es geht leicht. Und siehe da, all meine Probleme verschwinden deswegen nicht. Negative Gefühle kommen und gehen teilweise sogar häufiger als sonst. Die innere Kritikerin ist so fleißig wie eh und je im Vorhaltungenmachen und Fehleraufzeigen. Aber es gelingt mir immer besser, mich daran zu erinnern, dass das dazu gehört. Dass das so sein darf, dass ich da aber nicht mehr Aufmerksamkeit als notwendig hinfließen lassen brauche. Dass ich meine Aufmerksamkeit einfach immer weiter der Freude zuwenden darf. Auch das geht mit Leichtigkeit an diesem Ort und mit den Menschen, die hier leben. Danke Amritabha. Danke, Fe San, Jaruh, Sina, Joshua, SoLa, Wandana & Samor. Es ist schön mit Euch.

In Liebe Sarine 

Dieser Beitrag wurde unter Amritabha veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu ES GIBT NICHTS ZU BEREUEN – die innere Reise von Sarine

  1. Irka sagt:

    „Ich möchte viel mehr in dem Bewusstsein leben, dass ich für diesen Augenblick lebe. Ich möchte jeden Augenblick so gestalten, dass er mir die größtmögliche Freude bringt.“ – so schön gesagt! Und ja, ich finde auch, dass man da in Amritabha schön eintauchen kann.
    Und sich auf das eigene Potential zu konzentrieren anstatt auf die Fehler ist wirklich die beste Idee – da fließt alles leichter und viel freudiger. Meist verlieren sich mit dieser Ausrichtung sogar die Fehler auf dem Weg.

    Schön, dass du da bist, Sarine, und noch einen erfüllten, freudigen Sommer für dich!
    Love, Irka

    • Sarine sagt:

      Danke, liebe Irka! Ich freue mich sehr hier zu sein und ich habe mich sehr gefreut, dich kennen zu lernen, nachdem ich dich nun schon eine ganze Weile aus der Ferne via facebook bewundert habe. 🙂 Du bist in echt mindestens genauso schön, wie das, was du online von dir teilst. :-* Dir auch einen schönen Sommer!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Antispam-Schutz *