Pizza oder Spiritualität?

Ist schon lange her… In 2002 bin ich an einen Punkt in meinem Leben gekommen, an dem ich beschlossen habe, keine Seminare mehr zu besuchen, nicht mehr zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits schon über 10 Jahren unter den Suchenden, habe viele tolle Seminare und paar Ausbildungen besucht, wertvolle Lehren in Büchern gelesen, weise Menschen kennen gelernt. Immer und immer wieder bin ich in diese für mich so wunderbare „Welt des Wissens und der Wunder“ eingetaucht, in der ich mich Zuhause fühlte, immer wieder lebte meine Seele neu auf und mein Bewusstsein fing an zu erwachen. Und doch jedes Mal, nach jeder solcher Erfahrung blieb die gleiche Sehnsucht zurück, quälend in meinem Herzen.

In dem besagten Jahr 2002 stellte mir jemand, der mir sehr nah steht die Frage: „Aber wonach suchst du?“ Eine normale Frage, die aber in mir einen großen Schrecken ausgelöst hat: „Genau, wonach suche ich?! Was ist, wenn es gar nichts zu finden gibt? Vielleicht verbringe ich mein ganzes Leben damit, nach etwas zu suchen, was es gar nicht gibt!“ Ich wollte nicht am Ende meines Lebens zurückschauen und feststellen müssen, dass ich meine Zeit sinnlos mit Suchen vergeudet habe. So habe ich beschlossen, nichts mehr zu suchen. Zufrieden sein damit was ist, damit wer ich bin und einfach DAS Leben leben, das ich habe. Keine Ausbildungen, keine Seminare, kein Suchen mehr!


Genau zu diesem Zeitpunkt begegnete mir das Seminar „Der Weg ins Licht“. Eine Freundin und heute Kollegin, Sinta Wegener, erzählte mir davon. Es sei ein tolles Seminar und genau das richtige für mich… Es fiel mir nicht schwer, nein zu sagen. Ich war ja überzeugt, dass ich keine Seminare mehr machen möchte. Monate vergingen. Sinta besuchte mich wieder, nur 1-2 Stündchen, um die Weihnachtszeit. Und wieder erzählte sie mir von dem „Weg ins Licht“. Sie sagte, ich wäre mehr als „reif“ dafür, der ganze Himmel würde förmlich auf mich warten… Sie ging wieder und ich habe nicht darüber nachgedacht, was sie damit meinte. Ich wollte kein Seminar machen, ich wollte nichts mehr in meinem Leben ändern. Doch irgendetwas ist in mir geschehen. Ganz tief in meinem Inneren, ohne das ich es gemerkt hätte, hat sich etwas gerührt. Ich fing an zu weinen und weinte und weinte. Da war wieder die ganze Sehnsucht, der tiefe Schmerz. Ich griff zu Farbe und Pinsel und malte die ganze Nacht. Ich malte ein Licht-Strudel und ging am morgen völlig übermüdet zur Arbeit. Die Entscheidung war gefallen: ich mache den „Weg ins Licht“. Alle festen Vorsätze waren weg gewischt, wohl von dem Licht-Strudel mitgenommen…

Am ersten Tag des „Weg ins Licht“, im Januar 2003, begegnete mir als erstes ein Foto von einem jungen Mann mit dunklen, feurigen Augen. „Den kenne ich…“ dachte ich mir und war etwas verwundert, dass das Foto von einem Menschen, den ich irgendwoher „von früher“ kenne, ausgerechnet bei meiner Freundin an der Regal-Wand hängt. Der Kommentar von von ihr war, geheimnisvoll lächelnd: „Ja, den kennst du auch, … das ist Babaji“. Na gut, dachte ich, „dann kenne ich ihn doch nicht“, denn jemanden mit diesem Namen habe ich nie getroffen. Und doch blieb ein seltsames Gefühl in meinem Herzen und in meiner Magen-Gegend zurück, eine Art Freude, die ich nicht erklären konnte. Später habe ich erfahren, dass Babaji eines der Avatar-Wesen ist, die ihre himmlische Herkunft nie vergessen haben und die immer wieder auf der Erde inkarnieren, um die Menschen an Gott und sich selber zu erinnern.

Aber ich hatte keine Zeit mehr, über solche Sachen nachzudenken, das Seminar lief inzwischen in vollen Gängen und ich hatte das nächste Problem… Es meldete sich meine Angst, abzuheben, „nicht mehr normal zu sein“, wenn ich den spirituellen Weg gehe. Plötzlich war ich mir gar nicht sicher, ob das Ganze wirklich etwas für mich ist. Denn ich wollte auf keinen Fall „heilig“ werden, wollte mich vom Leben auf keinen Fall absondern oder entfernen. Ich wollte nicht über dem Boden der Tatsachen schweben, wollte keine Mantren murmeln und meine Beine stundenlang im Lotus-Sitz verknoten. So habe ich den Supervisor, der den „Weg ins Licht“ begleitet hat, um ein Gespräch gebeten. Es war schon spät am Abend, wo er Zeit hatte, sich meine Sorgen anzuhören. Ich habe klar gestellt, dass ich auf keinen Fall ein „spirituelles komisches Irgendwas“ werden möchte, dass ich weiterhin am normalen Leben teilnehmen möchte, Pizza essen, Bier trinken und Feiern gehen möchte. Er lächelte und sagte nur: „Das sollst du auch“. Ok, ich hatte mich etwas beruhigt und ging am nächsten Morgen wieder ins Seminar.

Irgendwann war dann der letzte Tag vom „Weg ins Licht“ da. Wir haben uns alle verabschiedet und ich drohte schon wieder, mich in Tränen aufzulösen. „Es kann doch nicht sein, dass ich jetzt, wo ich endlich das gefunden habe, wonach ich schon immer gesucht habe, einfach nach Hause fahren muss und dort weiter machen, wo ich aufgehört habe, als wäre nichts gewesen! Es kann doch nicht sein, dass ich das alles wieder hergeben, verlieren muss“, wisperte meine Seele, während mein Kopf nicht verstand, was ich eigentlich wieder gefunden haben soll…. Stundenlang auf der Fahrt nach Hause durch die dunkle Nacht hindurch, liefen mir die Tränen. Intensiv kreisten mir alle möglichen Gedanken im Kopf. Meine Mitfahrerin ließ mich. Sie sagte nichts, fragte nichts, schwieg in die Nacht hinein. Was wohl in ihr vorging, die ja auch am „Weg ins Licht“ Teil genommen hatte, habe ich mich später gefragt?

Auf einmal hörte ich meine eigene Worte, die in der Stille plötzlich aus mir heraus brachen, ganz entschlossen und bestimmt: „Ich sch… was auf die Pizza…! Hauptsache ich bin glücklich!!!“. Es wurde mir schlagartig klar, dass ich lieber auf die Pizza, das Bier, das Feiern verzichten würde, anstatt darauf, was ich in mir in den vergangenen Tage im „Weg ins Licht“ entdeckt und gespürt habe.

Es sind seitdem knapp zehn Jahre vergangen. In der Rückschau habe ich irgendwann fest gestellt, dass meine Sehnsucht, die Suche, mit dem „Weg ins Licht“ tatsächlich aufgehört haben. Seitdem bin ich immer nur noch mehr angekommen. Der Weg ging ab da immer weiter, aber ohne diese schmerzvolle Sehnsucht, die ich vorher kannte. Und das Schöne ist: ich musste nie auf etwas verzichten. Anstatt, dass ich mich vom Leben entfernt hätte, bin ich ihm und mir selber immer näher gekommen. Alles was sich in meinem Leben verändert hat, hat sich aus sich selbst heraus verändert, ohne dass ich je das Gefühl gehabt hätte, ich muss etwas aufgeben. Ich habe mich verändert, obwohl ich die ganze Zeit sein konnte, wie ich war. So kann ich heute über meine Sorge von damals um die Pizza und dem „ganz normalen Leben“ herzlich lachen. Und doch hat das Ganze eine wichtige Botschaft für mich: nur der eigene, authentische Weg ist der richtige. Ich freue mich, dass ich meinen gefunden habe und ihn noch weiter entdecken darf.

Ich bin glücklich, dass es ein Seminar, wie der „Weg ins Licht“ gibt. Inzwischen gebe ich ihn selber, aus Überzeugung und mit Freude und kann von der Seite des Leiters nun auch objektiv erkennen, welch ein Geschenk dieses Seminar für den Menschen, die Seele und für die Welt ist. Heute verstehe ich, was damals mit mir passiert ist. Und ich bin meiner Freundin für immer, dankbar, die damals ausgesprochen hat, was ich gar nicht hören wollte.

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10 Kommentare zu Pizza oder Spiritualität?

  1. Sophia sagt:

    nur der eigene, authentische Weg ist der richtige…..<3

    🙁

  2. Eine wunderbare Beschreibung über die Findung des eigenen Weges.

  3. Krista sagt:

    Danke Sina für deine wunderbare Geschichte. So ähnlich ging es mir auch. Es war und ist das grösste Geschenk auf meinem Weg, das mich als Geschenk offenbart hat.

  4. maria sagt:

    Liebe Sina,
    ich finde es gut wie du das Rüber gebracht hast. Mein Weg war auch immer mit Suche nach dem Sinn des Lebens. Habe ständig bei anderen gesucht, worde coabhängig, bis aufeinmal nichts mehr ging. Durch meinen Weg ins Licht 2010, wurde mir sehrviel klar wo ich bei mir ansetzen musste, es viel mir förmlich wie Schuppen von den Augen und habe dieses Jahr , die Essenerausbildung gemacht. Das Leben ist für mich Lebenswert und voller neuer Lebenbetrachtung geworden.Ich bin heute mit mir eins und mit mir authentisch. In großer Liebe, Ramana -Maria***********

  5. Narani sagt:

    Liebe Sina,
    deine Geschichte hat mich sehr berührt. Auch ich suchte und besuchte viele spirituelle Seminare, lernte Astrologie, um den Sternen nahe zu sen. Trotzdem war da immer noch diese tiefe Sehnsucht in mir, fast bis zu meinem 60. Lebensjahr. Dann wurde ich durch meinen lieben Mann, der eine Coach-Ausbildung bei einem Spirituellen Lehrer aus Amritabha machte, auf dein Weg ins Licht aufmerksam, sofort fühlte ich mich angezogen davon, ging danach aber sehr enttäuscht nach Hause. Ich spürte keine Veränderung in mir, das war 2014. Trotzdem hatte ich die Samen gesät für ein neues Leben, ohne es aufmerksam auf die Zeichen zu achten, dadurch kamen natürlich auch oft sehr unschöne Transformationsprozesse ins Laufen. Damit wuchs das Bedürfniss, im Folgejahr nocheinmal den Weg ins Licht zu wiederholen. Es ging dabei nur ums Annehmen bei mir, dass weiß ich heute. Der Weg wurde frei, ich sah meine Seelenanteile in Sai Baba und fand mich noch im selben Jahr in Amritabha bei der Heilpriester-Ausbildung wieder. Hier fühle ich mich wohl bei den Menschen, den Ritualen und der wundervollen Schwingung, die mich in meine n eigenen Heilungsprozessen unterstützt. Danke für das wunderbare Seminar „Den Weg ins Licht“
    Herzensgrüsse
    Narani

    • Sina sagt:

      Danke für deine Geschichte, liebe Narani. Es freut mich, dass auch du deinen Weg gefunden hast! Ich wünsche dir weiterhin viele wundervolle Erfahrungen.

  6. Jinartha sagt:

    Total schöne Geschichte, die ganz menschlich zeigt, dass Spiritualität nichts abgehobenes ist sondern in, um, mit unserem Alltag sein darf… Danke dir!

    • Sina sagt:

      Sehr gerne. Ja, „Spiritualität“ ist eigentlich das Normalste auf der Welt, weil wir spirituelle Wesen sind…! Jeder von uns, ob er´s weiß oder nicht. Und es freut mich, dass das immer mehr Menschen erkennen und weiter geben.

  7. Jana sagt:

    Hallo Sina,
    eine klasse Geschichte, vielen dank für diesen Einblick.
    Danke, danke!
    Grüße Jana

    • Sina sagt:

      Hallo Jana, danke für dein Feedback. Ja, im Nachhinein ist es eine schöne Geschichte, die ich gerne erzähle. Es freut mich, dass sie dir gefällt.
      Herzliche Grüße,
      Sina

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